Sich trauen und sich selbst vertrauen

Andrea ist seit 2001 bei EOS und besetzt aktuell gleich drei Rollen. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin bei ESL, operative Geschäftsführerin bei CCN Nürnberg und in Heidelberg Bereichsleitung in den Collection Operations.

Andrea, wie waren Deine ersten drei Monate als Führungskraft?

Das Ganze liegt schon etwas zurück, aber ich erinnere mich noch sehr gut daran. 2001 habe ich angefangen und bin dann eigentlich eher spontan zur Interims-Teamleiterin geworden. Und witzigerweise hat sich das dann von Anfang an richtig gut für mich angefühlt. Eigentlich besser als das, wofür ich ursprünglich eingestellt war. So dass ich dann gar nicht mehr zurück wollte und in meiner Rolle geblieben bin.

Dann hattest Du vorher gar keine Erfahrung und hast Führung quasi on-the-job gelernt?

Genau. Es war wirklich der erste Job nach dem Studium. Ich habe Rechtsanwaltsfachangestellte gelernt und im Anschluss dann Jura studiert. Ursprünglich bin ich als juristische Beratung für die Geschäftsleitung eingestellt worden. Als die Leitung erkrankt ist, wurde ich gefragt, ob ich das Team übernehmen könnte. Und dann blieb es von dem Tag an eigentlich bis heute bei der Führung von Mitarbeitern.

Was hat sich am besten daran angefühlt?

Ich glaube das ist sehr einfach zu benennen: die Arbeit mit Menschen. Ich mag das total. Anderen zu helfen, die eigenen Stärken zu finden. Das war damals natürlich noch recht schwierig, da ich ja selbst noch so jung war. Aber ich habe von Anfang an gemerkt, mir macht das total Spaß ein Team zu formen, zu unterstützen, mich vor allem auch mal zwischen die Chefin und die Mitarbeiter zu stellen und einfach „Stopp“ zu sagen. Sie irgendwo ein Stück weit auch zu schützen, aber gleichzeitig auch zu unterstützen. All diese Dinge. Wenn ich es schaffe, Leute zu bestärken und in die richtige Richtung zu bringen, ist das ein tolles Gefühl. Die Freude an dem was ich mache ist für mich schon wie ein Erfolg, das finde ich ganz wichtig.

Was war Dein größter beruflicher Misserfolg, bzw. was hat Dich geprägt und was hast Du daraus gelernt?

Da habe ich tatsächlich auch drüber nachgedacht. Ich würde keinen großen Misserfolg als den prägendsten sehen. Für mich ist es eher so, dass ich viele kleine und größere Fehler gemacht und dann immer etwas daraus gezogen habe. Der größte Erfolg ist für mich, überhaupt gelernt zu haben, mit den Fehlern umzugehen. Entschuldigung zu sagen und zu sagen „das war nicht gut von mir“ oder eben zu sagen „das war falsch und eine schlechte Entscheidung“. Ich erkenne nach vorne heraus, dass das total wertvoll ist. Da bin ich mittlerweile komplett angekommen, aber sicherlich war das ein Weg bis hier hin. Für mich war es eher allgemeines Learning, als dass ich jetzt EINEN großen Fehler gemacht und EINE große Erkenntnis gewonnen hätte.

Was rätst Du Frauen, die Führungsverantwortung übernehmen möchten?

Traut euch! Und vor allem vertraut euch selbst! Ich bin der Ansicht, jeder von uns, unabhängig vom Geschlecht, sollte seine Stärken einbringen. Wenn die weibliche Sicht in einer Situation am hilfreichsten ist, dann ist es eben diese. Ich agiere neutral mit meinen Stärken, das hat nichts damit zu tun, ob ich eine Frau oder ein Mann bin. Manchmal ist es aber auch wichtig zu sagen, jetzt nehme ich mal bewusst eine weibliche Position ein und schaffe dadurch einen Mehrwert.

Frauen in Führung bei EOS: