„Frauen sollten einfach mutiger sein“

Unsere Frau für den Kulturwandel: Jumana ist als Head of Cultural Transformation in 26 Ländern für den kulturellen Wandel der EOS Gruppe verantwortlich. Im September 2018 startete die 33-Jährige in diesen Führungsjob.

Jumana, musstest Du auf Deinem Weg auch Herausforderungen meistern, um zu sein, wo Du heute bist?

Ja, sehr viele sogar. Mein erster Job in der Unternehmensberatung war damals sehr herausfordernd. Ich war Assistentin der Geschäftsführung. Mein erster Chef war so eine richtig traditionelle und schwierige Führungskraft. Der hat mir das Leben am Anfang echt schwergemacht. Er hatte die Einstellung, dass man erstmal ordentlich Stunden schrubben muss, bevor man dort irgendwas wird. Dementsprechend musste ich jeden Job machen, den man sich vorstellen kann – von Projektkalkulationen und Vertragsverhandlungen über Terminkoordination bis hin zum Kaffeekochen. Ich will das auf keinen Fall abwerten, aber ich musste ganz unten anfangen. Dabei kam ich mit der Erwartung aus der Uni, dass ich jetzt auch endlich inhaltlich arbeiten darf.

Ich musste mich richtig durchbeißen und habe teilweise 16-Stunden-Schichten gerissen, damit er irgendwie das Gefühl bekommt, dass ich es ernst meine. Und das war ein richtiger Männerverein, der es Frauen nicht leicht gemacht hat. Wenn ich bei Kundenterminen mitgenommen wurde, war ich auch wieder nur in Männerrunden, wo ich als einzige Frau präsentieren und mich irgendwie beweisen musste. Ich glaube, wenn ich das nicht in so einer frühen Phase meiner Karriere erlebt hätte, dann hätte ich mich auch nicht getraut, viele Sachen zu machen, die ich bisher gemacht habe.

Glaubst Du, dass Du es als Frau deutlich schwerer gehabt hast, als ein männliches Pendant?

Ja, auf jeden Fall. Es war bei der Unternehmensberatung ganz üblich, dass die Frauen als Assistentin eher Sekretärinnen-Arbeit und die Männer eben direkt inhaltliche Arbeit gemacht haben. Das ist vielleicht heute nicht mehr so, aber es war damals extrem. Deswegen musste ich viel härter arbeiten, um Beraterin zu werden, als Männer es hätten tun müssen.

Hattest Du das Gefühl, dass Du am Ende dein Ziel erreicht hast, Dir eine andere Position zu erkämpfen?

Absolut. Der Job als Assistentin war ursprünglich auf zwei Jahre ausgelegt und ich habe es in einem Jahr geschafft, von der Assistentin zur Beraterin zu kommen. In einem Kundentermin, zu dem mein Chef mich mitgenommen hatte, sagte der Kunde hinterher, dass mein Chef beim nächsten Mal gar nicht mehr dabei sein müsste, da ich das auch allein könnte. Da hat mein Chef begriffen, dass die Kunden mich gut fanden und er mich nicht mehr als Assistentin durchgehen lassen kann. Nach zwei Jahren bin ich zum Consultant und dann zum Senior Consultant befördert worden. Die Zeit in der Beratung war auch insgesamt sehr lehrreich und ich wäre heute nicht da, wo ich bin, ohne diese Erfahrungen.

Bei EOS betreust Du den Kulturwandel. Wie nimmst Du denn die weibliche Führung bei EOS aktuell wahr und wie stellst Du es Dir in Zukunft vor?

Ende März war ich beim Meet2Lead der Otto Group, wo auch EOS vertreten war. Da war ich erstmal super schockiert, wie wenig Frauen es insgesamt gibt. Ich glaube es waren unter den 80 Managern nur fünf Frauen. Und von den fünf Frauen waren zwei oder drei, die eigentlich gar nicht in diese Führungsebene gehören. Was mir z.B. noch fehlt und wo ich mich auch selbst mehr engagieren könnte, wäre ein Frauen-Netzwerk. Ich fände es cool, wenn wir uns noch stärker vereinen und gemeinsam was machen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es total hilfreich ist, wenn man ein gutes Netzwerk hat und sich gegenseitig in der Karriere unterstützt. Gleichzeitig finde ich es auch immer noch schwierig, mir vorzustellen, Karriere und Kinder zu vereinbaren. Ich beobachte, dass EOS da auch noch Nachholbedarf hat, um für Frauen attraktiv zu sein, die beides unter einen Hut bekommen möchten.

Was rätst Du Frauen, die in Zukunft Führungsverantwortung übernehmen möchten?

Ganz wichtig ist, dass man sich erstmal alles zutraut. Das habe ich relativ früh von meiner Mutter gelernt, die alleinerziehend war. Sie hat mich immer davor gewarnt, mich von Männern abhängig zu machen. Das habe ich wirklich sehr verinnerlicht. Es gab in meinem Leben noch nie eine Phase, wo ich nicht selbstständig gewesen wäre. Sogar als Studentin habe ich nebenbei immer schon sehr viel gearbeitet. Ich erlebe häufig, dass Frauen, die einen Job angeboten bekommen, zweifeln, ob sie das können und dass ihnen Fähigkeiten fehlen. Ein Mann hingegen macht es einfach trotzdem, auch wenn ihm noch fünf Sachen fehlen. Frauen sollten einfach mutiger sein, sich mehr zutrauen und vor allem mal ausprobieren und dann in die Rolle reinwachsen.

Frauen in Führung bei EOS: